Tekst

Tekst naar John Miltons “Paradise lost”.
Vrij vertaald door Frhr. Gottfried van Swieten.

ERSTER TEIL

Einleitung
(Die Vorstellung des Chaos)

Rezitativ Raphael, Uriel, Chor
(Genesis – Kapitel 1, Verse 1- 4)
RAPHAEL
Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde; und die Erde war ohne Form und leer; und Finsternis war auf der Fläche der Tiefe.

CHOR
Und der Geist Gottes schwebte auf der Fläche der Wasser und Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht.

URIEL
Und Gott sah das Licht, daß es gut war; und Gott schied das Licht von der Finsternis.

Arie mit Chor
URIEL
Nun schwanden vor dem heiligen Strahle des schwarzen Dunkels gräuliche Schatten; der erste Tag entstand. Verwirrung weicht, und Ordnung keimt empor. Erstarrt entflieht der Höllengeister Schar in des Abgrunds Tiefen hinab zur ewigen Nacht.

CHOR
Verzweiflung, Wut und Schrecken begleiten ihren Sturz. Und eine neue Welt entspringt auf Gottes Wort.

Rezitativ Raphael
(Genesis – Kapitel 1, Vers 7)
Und Gott machte das Firmament, und teilte die Wasser, die unter dem Firmament waren, von den Gewässern, die ober dem Firmament waren; und es ward so. Da tobten brausend heftige Stürme. Wie Spreu vor dem Winde, so flogen die Wolken; die Luft durchschnitten feurige Blitze; und schrecklich rollten die Donner umher. Der Flut entstieg auf sein Geheiß der allerquickende Regen, der allverheerende Schauer, der leichte, flockige Schnee.

Chor mit Sopran Solo
GABRIEL
Mit Staunen sieht das Wunderwerk der Himmelsbürger frohe Schar, und laut ertönt aus ihren Kehlen des Schöpfers Lob, das Lob des zweiten Tags.

CHOR
Und laut ertönt aus ihren Kehlen des Schöpfers Lob, das Lob des zweiten Tags.

Rezitativ Raphael
(Genesis – Kapitel 1, Verse 9 -10)
Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel zusammen an einem Platz, und es erscheine das trockne Land; und es ward so. Und Gott nannte das trockne Land: Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer, und Gott sah, daß es gut war.

Arie Raphael
Rollend in schäumenden Wellen bewegt sich ungestüm das Meer. Hügel und Felsen erscheinen, der Berge Gipfel steigt empor. Die Fläche, weit gedehnt, durchläuft der breite Strom in mancher Krümme. Leise rauschend gleitet fort im stillen Tal der helle Bach.

Rezitativ Gabriel
(Genesis – Kapitel 1, Vers 11)
Und Gott sprach: Es bringe die Erde Gras hervor, Kräuter, die Samen geben, und Obstbäume, die Früchte bringen ihrer Art gemäß, die ihren Samen in sich selbst haben auf der Erde; und es ward so.

Arie Gabriel
Nun beut die Flur das frische Grün dem Auge zur Ergötzung dar, den anmutsvollen Blick erhöht der Blumen sanfter Schmuck. Hier duften Kräuter Balsam aus; hier sproßt den Wunden Heil. Die Zweige krümmt der goldnen Früchte Last; hier wölbt der Hain zum kühlen Schirme sich; den steilen Berg bekrönt ein dichter Wald.

Rezitativ Uriel
Und die himmlischen Heerscharen verkündigten den dritten Tag, Gott preisend und sprechend:

Chor
Stimmt an die Saiten, ergreift die Leier, laßt euren Lobgesang erschallen! Frohlocket dem Herrn, dem mächtigen Gott! Denn er hat Himmel und Erde bekleidet in herrlicher Pracht.

Rezitativ Uriel
(Genesis – Kapitel 1, Vers 14 mit eingeschobener Zeile und Schlußzeile von Vers 16)
Und Gott sprach: Es sei’n Lichter an der Feste des Himmels, um den Tag von der Nacht zu scheiden, und Licht auf der Erde zu geben, und es sei’n diese für Zeichen und für Zeiten, und für Tage und für Jahre. Er machte die Sterne gleichfalls.

Rezitativ Uriel
In vollem Glanze steiget jetzt die Sonne strahlend auf; ein wonnevoller Bräutigam, ein Riese, stolz und froh, zu rennen seine Bahn. Mit leisem Gang und sanftem Schimmer schleicht der Mond die stille Nacht hindurch. Den ausgedehnten Himmelsraum ziert ohne Zahl der hellen Sterne Gold, und die Söhne Gottes verkündigten den vierten Tag mit himmlischem Gesang, seine Macht ausrufend also:

Chor mit Soli
CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes. Und seiner Hände Werk zeigt an das Firmament.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Dem kommenden Tage sagt es der Tag, die Nacht, die verschwand, der folgenden Nacht.

CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes. Und seiner Hände Werk zeigt an das Firmament.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
In alle Welt ergeht das Wort, jedem Ohre klingend, keiner Zunge fremd.

CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes. Und seiner Hände Werk zeigt an das Firmament.

ZWEITER TEIL

Rezitativ Gabriel
(Genesis – Kapitel 1, Vers 20)
Und Gott sprach: Es bringe das Wasser in der Fülle hervor webende Geschöpfe, die Leben haben, und Vögel, die über der Erde fliegen mögen in dem offenen Firmamente des Himmels.

Arie Gabriel
Auf starkem Fittiche schwinget sich der Adler stolz und teilet die Luft im schnellesten Fluge zur Sonne hin. Den Morgen grüßt der Lerche frohes Lied; und Liebe girrt das zarte Taubenpaar. Aus jedem Busch und Hain erschallt der Nachtigallen süße Kehle. Noch drückte Gram nicht ihre Brust, noch war zur Klage nicht gestimmt ihr reizender Gesang.

Rezitativ Raphael
(Genesis – Kapitel 1, Verse 21 und 23, zum Teil)
Und Gott schuf große Walfische, und ein jedes lebende Geschöpf, das sich beweget. Und Gott segnete sie, sprechend: Seid fruchtbar alle, mehret euch! Bewohner der Luft, vermehret euch und singt aufjedem Aste! Mehret euch, ihr Flutenbewohner und füllet jede Tiefe! Seid fruchtbar, wachset, mehret euch! Erfreuet euch in eurem Gott!

Rezitativ Raphael
Und die Engel rührten ihr’ unsterblichen Harfen, und sangen die Wunder des fünften Tag’s.

Terzett Gabriel, Uriel, Raphael
GABRIEL
In holder Anmut stehn, mit jungem Grün geschmückt, die wogigten Hügel da. Aus ihren Adern quillt, in fließendem Kristall, der kühlende Bach hervor.

URIEL
In frohen Kreisen schwebt, sich wiegend in der Luft, der munteren Vögel Schar. Den bunten Federglanz erhöht im Wechselflug das goldene Sonnenlicht.

RAPHAEL
Das helle Naß durchblitzt der Fisch und windet sich in stetem Gewühl umher. Vom tiefsten Meeresgrund wälzet sich Leviathan auf schäumender Well’ empor.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Wie viel sind deiner Werk’, o Gott! Wer fasset ihre Zahl? Wer? o Gott!

Terzett Gabriel, Uriel, Raphael und Chor
GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Der Herr ist groß in seiner Macht, und ewig bleibt sein Ruhm.

CHOR
Der Herr ist groß in seiner Macht, und ewig bleibt sein Ruhm.

Rezitativ Raphael
(Genesis – Kapitel 1, Vers 24)
Und Gott sprach: Es bringe die Erde hervor lebende Geschöpfe nach ihrer Art; Vieh und kriechendes Gewürm und Tiere der Erde nach ihren Gattungen.

Rezitativ Raphael
Gleich öffnet sich der Erde Schoß und sie gebiert auf Gottes Wort Geschöpfe jeder Art, in vollem Wuchs und ohne Zahl. Vor Freude brüllend steht der Löwe da. Hier schießt der gelenkige Tiger empor. Das zack’ge Haupt erhebt der schnelle Hirsch. Mit fliegender Mähne springt und wieh’rt voll Mut und Kraft das edle Roß. Auf grünen Matten weidet schon das Rind, in Herden abgeteilt. Die Triften deckt, als wie gesät, das wollenreiche, sanfte Schaf. Wie Staub verbreitet sich in Schwarm und Wirbel das Heer der Insekten. In langen Zügen kriecht am Boden das Gewürm.

Arie Raphael
Nun scheint in vollem Glanze der Himmel, nun prangt in ihrem Schmucke die Erde. Die Luft erfüllt das leichte Gefieder, die Wasser schwellt der Fische Gewimmel. Den Boden drückt der Tiere Last. Doch war noch alles nicht vollbracht: Dem Ganzen fehlte das Geschöpf, das Gottes Werke dankbar seh’n, des Herren Güte preisen soll.

Rezitativ Uriel
(Genesis – Kapitel 1, Vers 27 Kapitel 2, Vers 7 Schlußzeilen)
Und Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde. Nach dem Ebenbilde Gottes schuf er ihn. Mann und Weib erschuf er sie. Den Atem des Lebens hauchte er in sein Angesicht, und der Mensch wurde zur lebendigen Seele.

Arie Uriel
Mit Würd’ und Hoheit angetan, mit Schönheit Stärk’ und Mut begabt, gen Himmel aufgerichtet, steht der Mensch, ein Mann und König der Natur. Die breit gewölbt’ erhabne Stirn, verkünd’t der Weisheit tiefen Sinn, und aus dem hellen Blicke strahlt der Geist, des Schöpfers Hauch und Ebenbild. An seinen Busen schmieget sich, für ihn, aus ihm geformt, die Gattin, hold und anmutsvoll. In froher Unschuld lächelt sie, des Frühlings reizend Bild, ihm Liebe, Glück und Wonne zu.

Rezitativ Raphael
(Genesis – Kapitel 1, Vers 31 zum Teil)
Und Gott sah jedes Ding, was er gemacht hatte; und es war sehr gut. Und der himmlische Chor feierte das Ende des sechsten Tages mit lautem Gesang.

Chor
Vollendet ist das große Werk der Schöpfer sieht’s und freuet sich. Auch unsre Freud’ erschalle laut! Des Herren Lob sei unser Lied!

Terzett GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
GABRIEL, URIEL
Zu dir, o Herr, blickt alles auf, um Speise fleht dich alles an. Du öffnest deine Hand, gesättigt werden sie.

RAPHAEL
Du wendest ab dein Angesicht: da bebet alles und erstarrt. Du nimmst den Odem weg: in Staub zerfallen sie.

GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Den Odem hauchst du wieder aus und neues Leben sproßt hervor.Verjüngt ist die Gestalt der Erd’ an Reiz und Kraft.

Chor
Vollendet ist das große Werk, des Herren Lob sei unser Lied! Alles lobe seinen Namen, denn er allein ist hoch erhaben, alleluja, alleluja.

DRITTER TEIL

Rezitativ Uriel
Aus Rosenwolken bricht, geweckt durch süßen Klang, der Morgen jung und schön. Vom himmlischen Gewölbe strömt reine Harmonie zur Erde hinab. Seht das beglückte Paar wie Hand in Hand es geht! Aus ihren Blicken strahlt des heißen Danks Gefühl. Bald singt in lautem Ton ihr Mund des Schöpfers Lob. Laßt unsre Stimme dann sich mengen in ihr Lied !

Duett Eva, Adam und Chor
EVA, ADAM
Von deiner Güt’, o Herr und Gott, ist Erd’ und Himmel voll. Die Welt, so groß, so wunderbar, ist deiner Hände Werk.

CHOR
Gesegnet sei des Herren Macht. Sein Lob erschall’ in Ewigkeit!

ADAM
Der Sterne hellster, o wie schön verkündest du den Tag! Wie schmückst du ihn, o Sonne du, des Weltalls Seel’ und Aug’!

CHOR
Macht kund auf eurer weiten Bahn, des Herren Macht und seinen Ruhm!

EVA
Und du, der Nächte Zierd’ und Trost und all das strahlend Heer, verbreitet überall sein Lob in eurem Chorgesang!

ADAM
Ihr Elemente, deren Kraft stets neue Formen zeugt, ihr, ihr Dünst’ und Nebel, die der Wind versammelt und vertreibt . . .

EVA, ADAM
. . . Iobsinget alle Gott, dem Herrn!

CHOR
Lobsinget alle Gott, dem Herrn!

ALLE
Lobsinget alle Gott, dem Herrn! Groß wie sein Nam’ ist seine Macht.

EVA
Sanft rauschend lobt, o Quellen, ihn! Den Wipfel neigt, ihr Bäum’! Ihr Pflanzen, duftet, Blumen, haucht ihm euren Wohlgeruch !

ADAM
Ihr, deren Pfad die Höh’n erklimmt, und ihr, die niedrig kriecht, ihr, deren Flug die Luft durchschneid’t, und ihr, im tiefen Naß,. . .

EVA, ADAM
… ihr Tiere, preiset alle Gott!

CHOR
Ihr, ihr Tiere, preiset alle Gott!

ALLE
Ihn lobe, was nur Odem hat.

ADAM, EVA
Ihr dunklen Hain’, ihr Berg’ und Tal’, ihr Zeugen unsers Danks, ertönen sollt ihr früh und spät von unserm Lobgesang.

CHOR
Heil dir, o Gott, o Schöpfer, Heil! Aus deinem Wort entstand die Welt; dich beten Erd’ und Himmel an. Wir preisen dich in Ewigkeit.

Rezitativ Adam, Eva
ADAM
Nun ist die erste Pflicht erfüllt, dem Schöpfer haben wir gedankt. Nun folge mir, Gefährtin meines Lebens! Ich leite dich, und jeder Schritt weckt neue Freud’ in unsrer Brust, zeigt Wunder überall. Erkennen sollst du dann, welch unaussprechlich Glück der Herr uns zugedacht, ihn preisen immerdar, ihm weihen Herz und Sinn. Komm, komm, folge mir, folge mir, ich leite dich !

EVA
O du, für den ich ward! Mein Schirm, mein Schild, mein all! Dein Will’ ist mir Gesetz. So hat’s der Herr bestimmt, und dir gehorchen, bringt mir Freude, Glück und Ruhm.

Duett Adam, Eva
ADAM
Holde Gattin! Dir zur Seite fließen sanft die Stunden hin. Jeder Augenblick ist Wonne; keine Sorge trübet sie.

EVA
Teurer Gatte! Dir zur Seite schwimmt in Freuden mir das Herz. Dir gewidmet ist mein Leben, deine Liebe sei mein Lohn.

ADAM
Der tauende Morgen, o wie ermuntert er!

EVA
Die Kühle des Abends, o wie erquicket sie!

ADAM
Wie labend ist der runden Früchte Saft!

EVA
Wie reizend ist der Blumen süßer Duft!

ADAM, EVA
Doch ohne dich, was wäre mir der Morgentau, der Abendhauch, der Früchte Saft, der Blumenduft. Mit dir erhöht sich jede Freude, mit dir genieß’ ich doppelt sie; mit dir ist Seligkeit das Leben; dir, dir sei es ganz geweiht.

Rezitativ Uriel
O glücklich Paar, und glücklich immerfort, wenn falscher Wahn euch nicht verführt, noch mehr zu wünschen, als ihr habt, und mehr zu wissen, als ihr sollt.

Schlußchor mit Soli
CHOR
Singt dem Herren alle Stimmen! Dankt ihm alle seine Werke! Laßt zu Ehren seines Namens Lob in Wettgesang erschallen. Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit! Amen! Amen!

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